06.08.2004 | Ne Flasche Jägermeister geht Down Under

Niedergeschrieben von Clubkamerad MightyMirko

Ich war schon ziemlich erleichtert, als ich am 03.08.04 wieder aus diesem Karton durfte. Zu lange hatte ich in dieser engen Kiste verbracht. Gut, ich war hervorragend mit einem Jägi-Jungs-Schal gepolstert und einige Aufkleberkollegen hatten mich auf dieser Reise begleitet, doch diese Enge auf längere Zeit ging mir doch schon gehörig aufs Etikett.

Meine Stimmung hellte sich jedoch etwas auf, als ich von zwei Typen mit Gejohle befreit wurde und sie mit mir wahre Freudentänze veranstalteten. Ich wurde umhergereicht und betatscht. Zu sehr betatscht! Ach so, dem einen gefiel meine „Betriebstemperatur“ nicht. Na klasse, was wollen die Zwei, die sich Toddy und Mirko nannten, denn nach der Reise erwarten? Natürlich fühle ich mich in einem Eisfach auch wohler, aber ich habe mir diesen ungekühlten Trip nicht ausgedacht! Zumal ich immer noch nicht wusste, wo ich überhaupt war!
Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, knackte schon mein Schraubverschluss und ich konnte mein göttliches Aroma frei geben. Ahh, jetzt ging es mir bestens! Mein Inhalt wurde großzügig in zwei Gläsern verteilt. „Auf den Präsi und die Eintracht“, schallte es durch den Raum und schon machte sich mein einzigartiger Saft auf den Weg in die Hälse der beiden durstigen Kerle. Sie wurden mir immer sympathischer, denn diese Zeremonie wiederholte sich noch zweimal.

Es war dann der 06.08.04, als ich recht unsanft mit silbrigen Panzerband sturzsicher verklebt wurde. Die beiden lachten sich nen Ast, als sie mich an der bullbar (Bullenfänger) des Jeep Cherokees fest machten und sich bald darauf in diesem Wagen in Bewegung setzten. Noch ne Tour, dachte ich. Na Prima! Doch nach kürzester Zeit fing mir diese Fahrt an Spaß zu machen. Der kühle Fahrtwind blies mir um den grünen Körper und brachte meinen braunen Inhalt so richtig in Wallungen.Und so verließen wir Melbourne Richtung Bendigo, wie ich auf den Straßenschildern lesen konnte. Melbourne? “Da wird ja der Hirsch zum Elch“, dachte ich. Ich bin in Australien! 17000 km wech von zu Hause und keiner sagt mir was. Da fliege ich ans andere Ende der Welt, um so zwei Typen das Leben zu versüßen. Na, dass muss mir so ein grüner 0,7ner erstmal nachmachen.
Der Jägermeister ist da! Der „Nachtisch“ ist gesichert. Fester Verband und Kühlung ist einfach alles!

Und so setzte ich die Fahrt mit aufrechtem Geweih fort, bis wir am Abend dieses Kaff erreichten. „FRANCES Welcome to South Australia“ stand auf dem Ortsschild. Außer drei Häusern, einem Pub und dazu gehörigem Motel, einem „Tante Emma“-Laden und drei Weizensilos war hier echt nichts los. Aber nach der stundenlangen Fahrt über teilweise rumpligen Straßen, an Schafweiden und wüstenartigen Steppenlandschaften vorbei, konnte man wohl auch nicht mehr erwarten. Toddy und Mirko beschlossen die Nacht hier zu verbringen und machten sich auch gleich auf den Weg in die einzige Kneipe.

“Hey! Und ich?!“, grummelte ich vor mich hin. „Jetzt bin ich schon auf die optimale Trinktemperatur runtergekühlt und häng hier immer noch an der Karre fest! Feuer frei, ihr Luschen!“, rebellierte ich. Ha, als wär´ es Gedankenübertragung gewesen. Toddy, das alte Kangaroo, kam aus dem Pub, rupfte mir das Klebeband vom Leib, schleppte mich in die urige Kneipe und stellte mich mit einem breiten Grinsen auf die Theke.

„Na, dann mal hoch die Tassen“, dachte ich mir, denn ein Haufen Gläser stand schon für mich bereit. Die Horde Typen, die meinen sagenhaften Inhalt dann in ihren Händen hielten, beäugten mich argwöhnisch. Sie schnupperten an mir, zögerten und faselten sich gegenseitig etwas zu, doch ich verstand kein Wort. „Nich lang schnacken, Kopp in Nacken!“, wollte ich ihnen zurufen. „Was soll der Geiz?“ Endlich setzten einige die Gläser an und die anderen zogen nach. Doch ihre Gesichter danach waren herrlich! Sie zogen Grimassen bis nach Wolfenbüttel, schüttelten sich und gaben tierische Laute von sich. Na, das war mir vielleicht ein Verein hier. Toddy und Mirko schlugen sich auf die Schenkel vor Lachen und setzten gleich die nächste Runde an. „Genau!“, dachte ich mir.“ Auf einem Bein und so!“. Und so machte sich mein braunes Kräuterchen ein weiteres Mal auf den Weg in ihre Hälse. Manch einer zuckte noch gewaltig, andere fanden einen interessierten Gefallen an meinem Saft. Na also, geht doch!

Saufen ging besser als auf Deutsch sagen: Nich lang schnacken, Kopp in Nacken! Der Jägermeister hat seine Schuldigkeit getan. Es wird schon gekuschelt!

Während Mirko und Toddy sich leicht überfordert über meine „Konkurrenz“ hermachten, die sich immer zahlreicher vor ihnen in kleinen und großen Gläsern anhäufte, beobachtete ich mit meinem letzten Rest im Bauch die illustre Gesellschaft an der Theke. Gesichtszüge entgleisten, die Gespräche wurden lauter, die Aussprache feuchter und der Umgang miteinander rauer. Jemand griff nach mir und ich wurde umher gereicht, beliebäugelt und schließlich mit einem resignierten Kopfschütteln zurück an meinen Platz gestellt.
Toddy öffnete für die letzte Runde noch einmal meinen Hals und verteilte meinen Inhalt sorgsam auf drei Gläser. John, der Glückspilz, der sich schon den ganzen Abend mit den beiden angeregt unterhalten und ihnen wilde Geschichten über seine Arbeit als Schäfer und Lehrer (!) erzählt hatte, durfte sich nochmals an mir erfreuen, bevor ich auch ihm die Aussprache völlig verhunzte.

Ich wurde sorgsam wieder verschlossen. Nachdem Mirko und Toddy sich auf meinem Rücken noch mit einem Autogramm verewigten, ergriff die Lady hinter der Theke meine jetzt schlanken Körper und stellte mich mit einem zufriedenen Lächeln in die Mitte eines schönen Regals. Ich fühlte mich auf Anhieb wohl und genoss die Blicke meiner hochprozentigen Neider, die links und rechts von mir abgestellt waren.

Was für eine Tour. Was für ein Abend. Der „Platzhirsch“ war in Down Under angekommen!

John war so nett, mir am Ende des Abends seine Adresse und Telefonnummer auf den Arm zu schreiben Den Schal wollte er haben, aber die 5 Euro per Dauerauftrag fand er Scheiße!“
Ohne 5 Euro, keinen Schal! Keine 5 Euro, aber nen Schal. Klasse, Toddy! Das kostet ne Runde, wenn Du nach good old Germany kommst!

Danke nochmals an unseren Potatoe Fritz für das Paket und danke an Toddy (logg Dich endlich mal auf unserer Homepage ein!!!), der mir dieses geile Abenteuer in Australien ermöglicht hat!

Und hier hat sich das ganze Drama so ungefähr abgespielt:

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